Freitag, 30. Juli 2010
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Wenn Fischlein an der Haut knabbern, Heuberger Bote 10.04.04

Schuppenflechte: Trossinger geht neue Wege

Wenn Fischlein an der Haut knabbern..


TROSSINGEN - Entsetzlicher Juck­reiz und eine derart gespannte Haut, dass sie schon bei kleiner Bewegung reißen kann - unter diesen zwei Symptomen leiden Men­schen, die an der Schuppenflechte erkrankt sind. Der Trossinger Ralf Schräpel erprobt jetzt im Selbstver­such eine neuartige Therapieform mit Fischen.

Von unserer Mitarbeiterin Fatima Majsoub

Seit vier Jahren leidet Ralf Schräpel an der unheilbaren Psoriasis, der Schup­penflechte, die laut Wissenschaft durch einen Gen defekt ausgelöst wird. Begonnen habe es mit einer un­scheinbaren Stelle hinter dem Ohr, er­zählt er. Kortison-Creme verschaffte Linderung. Aber im vergangenen Jahr bekam der Familienvater eine Herz­muskelentzündung, die mit starken Antibiotika behandelt wurde. Die wohl nicht seltene Folge darauf war ein massiver Psoriasis-Schub, berichtet er. Seither hat er die Krankheit am gan­zen Körper sogar auf den Schleim­häuten.
Bei den von der nicht anstecken­den Schuppenflechte betroffenen Menschen regeneriert sich die Haut viermal stärker als bei gesunden. Die Folge: die neu gebildete Haut wird dünner, rissiger und schuppt schneller. Der Juckreiz ist unerträglich und permanent. Ihn „wegzukriegen ist schon ein Stück Lebensqualität", hofft Ralf Schräpel. Er hat schon alles Mögliche ausprobiert, einen „ganzen Schrank voller Salben zuhause". Linderung ver­schaffen etwa UV-Bestrahlungen oder Sole-Bäder. Aber: „Wenn man so Aussieht, geht man nicht in ein öffentli­ches Bad." Vor etwa sechs Jahren sah Ralf Schräpel im Fernsehen einen Bericht über einen Balinger, der eine spezielle Art von Fischen „Garra Rufa" (Rötli­che Saugbarbe) züchtet, die zur Be­handlung von Psoriasis-Patienten ein­gesetzt werden. „Das hat mich auch von meinem Hobby her interessiert", erzählt Schräpel, der Vorsitzender des Aldinger Aquariumsvereins ist. Die Kangal leben in eiweißarmen Gewäs­sern und ernähren sich von menschli­chen Hautschuppen, erklärt er. Beim Abknabbern vom Körper hinterlassen sie mit ihrem Speichel auf der Haut ei Sekret, dass eine ähnliche Wirkung wie ein Medikamentt hat, das hab eine Studie der Universität in Ankara ergeben, erzählt der Trossinger. Die Wirkung hatte er selbst bei einem Besuch bei dem Balinger Züchter getestet. Dort hatte er seine Hand in ein Garra- Rufa Becken gehalten. „Die Haut hat sich entspannt, wurde deutlich ruhiger, es hat nur ein wenig gekribbelt Das hat mich überzeugt."

Selbstversuch ohne Arzt
Die Fische daheim in die Badewanne zu gießen und sich dort reinzulegen, wo normalerweise mit Ölen gebadet wird, das wäre Tierquälerei sagt der Aquarianer. Der Balinger Züchter hat eine spezielle Wanne eine Art Regenfass entwickelt, da dem natürlichen Lebensraum de etwa 13 Zentimeter großen schwan braunen Garra Rufa entspreche: ein. Wanne mit 34 Grad warmem Wasser dunklen Wänden und Boden, großer Kieselsteinen, denn die Garra Rufa le gen dort ihre Brut ab. Dieser Tage ha Schräpel die 1200 Euro teure Wann abgeholt. Zwei- bis dreimal die Woche wird er nun mit 30 Garra Rufa jeweils ein bis zwei Stunden lang baden in Selbstversuch. Denn er hat keinen Arzt gefunden, der die Therapie machet würde. Drei Wochen dauert die erst Phase. Dann brauchen auch die Fische erst einmal eine zweiwöchige Pause Ralf Schräpel weiß, dass diese Art Therapie nicht jedermanns Sache ist. Er hofft aber, dass sie ihm helfen wird.

Unter der Internetadresse www.psoriasis-netz.de gibt es weitere Infos von Selbsthilfe­gruppen zu der Kangal- Therapie.
Infos zum Erfolg der Behandlung bei Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

 Garra-Rufa-Badewanne
Mit Bädern in dieser Spezial-Wanne, die mit 30 Garra Rufa- Fischen gefüllt ist, hofft Ralf Schräpel auf Linderung. Der Trossinger leidet seit vier Jahren unter der Schuppenflechte.

Foto: Fatima Majsoub 

 
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